Die Gene und das Körpergewicht: Warum werden Dicke dick?


Wussten Sie schon, dass unser Körpergewicht zu 50% in den Genen festgelegt ist? Ohne Zweifel trägt unser moderner Lebensstil von heute dazu bei, dass wir – gesamtgesellschaftlich betrachtet – immer dicker werden. Nur, jeder kann in seinem Umfeld beobachten, dass es große individuelle Unterschiede gibt, wie unser Körper auf eine erhöhte Kalorienaufnahme reagiert. Manche scheinen täglich Tafeln von Schokolade in sich „hineinfuttern“ zu können, ohne dass dies nennenswerte Spuren in Punkto Fettzuwachs hinterlässt, während andere nur daran „riechen“ müssen und schon sichtbar zunehmen.

Warum ist das so? Bevor wir den Gründen dafür nachgehen, ist es hilfreich einen Blick in unsere Vergangenheit zu werfen. In früheren Zeiten hat die hormonell gesteuerte Anlage von Fettgewebe das Überleben erst ermöglicht. Denn über lange Zeiträume in der Menschheitsentwicklung traten immer wieder Situationen auf, in denen es an Nahrung mangelte. Diejenigen, die in Zeiten reichlichen Nahrungsangebotes am effektivsten Energie speichern konnten, hatten bessere Chancen, Hungerperioden zu überstehen und gaben diese Veranlagung an ihre Nachkommen weiter. War dieser genetisch fixierte Überlebensvorteil früher also lebensrettend, so führt er in der Zeit des Überangebots an Nahrung und mangelnder körperlicher Aktivität heute zu starker Gewichtszunahme und ist somit ein gesundheitsbelastender Faktor geworden.

Übergewicht ist Familiensache

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse lassen vermuten, dass unser Körpergewicht zu mindestens 50% genetisch festgelegt ist. Wie stark die Gene das Körpergewicht beeinflussen, können z.B. eindrucksvoll Zwillings-, Adoptions- und Familienstudien zeigen. Im Jahr 1990 wurde eine Studie mit 100 getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen veröffentlicht. Die Kinder waren größtenteils im Alter von wenigen Monaten getrennt worden de.wikipedia.org. Und obwohl sie in verschiedenen Familien mit unterschiedlichen Essgewohnheiten aufwuchsen, war ihr Körpergewicht sehr ähnlich. In Adoptionsstudien konnte ebenfalls nachgewiesen werden, wie sehr das Körpergewicht von unseren Erbanlagen abhängt: Zwischen den Körpergewichten von Adoptiveltern und ihren adoptierten Kindern fand sich kein Zusammenhang. Verglich man dagegen die Körpergewichte der adoptierten Kinder mit denen ihrer leiblichen Eltern, fand man eine sehr starke Übereinstimmung.

Zu den genetischen Ursachen des Übergewichtes gehört die individuell unterschiedliche Regulation von Auf- und Abbauprozessen im Fettgewebe, Unterschiede im körperlichen Aktivitätsniveau und im Energieumsatz in Ruhe sowie in der Zusammensetzung der Muskelfasertypen im Körper (Typ Ia-Fasern neigen stärker zur Fettsäure-Verbrennung). Wenn man bedenkt, dass der Grundumsatz schon 60-80% des Gesamtenergieverbrauchs ausmachen, wird klar, dass nur kleine Unterschiede in der Kalorienverbrennung im Laufe der Jahre darüber entscheiden können, ob jemand normal- oder übergewichtig wird. Die Grundumsatzrate kann somit eine wichtige Einflussgröße sein, die die Diagnose „künftiges Übergewicht“ vorherzusagen erlaubt.

Den Genen trotzen!

Je mehr wir von unserem genetischen Erbe in Bezug auf unsere Veranlagung zum Übergewicht wissen, desto mehr sollten wir eigentlich Verständnis für die Schwierigkeiten vieler Übergewichtiger mitbringen und ihre Bemühungen, Gewicht abzunehmen, besonders honorieren. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Übergewicht kein Schicksal ist, denn, vererbt wird nicht das Übergewicht, sondern die Veranlagung dazu. Mit einer Kombination aus Diät, körperlicher Aktivität und Medikation kann das Übergewicht in vielen Fällen behandelt werden. Bereits eine Verringerung des Körpergewichtes um 10 Prozent bringt deutliche Verbesserungen für Gesundheit und Wohlbefinden.

Rate this post